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Die Kirche Mariä Himmelfahrt und
schiefer Turm
Das Zentrum Sušaks
Trsat
Die
Kirche Mariä Himmelfahrt (Uznesenja Blažene Djevice Marije),
im Volk jahrhundertelang Vela crikva und Duomo genannt, ist
ein sakraler Mittelpunkt, von dem wir heute mit großer
Wahrscheinlichkeit annehmen können, dass er auf einer
frühchristlichen Kultsttätte gegründet worden ist. Das
ursprüngliche Zentrum des Kultes entwickelte sich auf
römischen öffentlichen (militärischen?) Thermen, deren Reste -
rund um die Kirche - erst teilweise erforscht worden sind. Die
Haupträume der Thermen waren mit Mosaikböden ausgestattet, die
noch heute unter dem Asphalt des Platzes Pul Vele crikve
erhalten sind. Auf den Ruinen der Thermen wurde im Mittelalter
ein Glockenturm gebaut, an dessen Sockel Steinblöcke sichtbar
sind, die ursprünglich von antiken Bauwerken stammen. Am
freistehenden Glockenturm finden wir vor allem Elemente der
Gotik. Da sich der Turm um 40 cm neigt, wird er in der letzten
Zeit Kosi toranj (schiefer Turm) genannt. Die Fassade der
Kirche zeigt in der Architekturplastik eine harmonische
Stilmischung: Renaissance (Rosette), Barock (Portal),
Klassizismus (Säulen) und Historiszismus (Giebel). Auf der
Südwand zieht ein später eingefügtes Relief eines
Christuskopfes die Aufmerksamkeit auf sich. Im Inneren der
Kirche finden wir zahlreiche barocke Marmorskulpturen von P.
Lazzarini, A. Michelazzi, S. Petruzzi und J. Contier. Die
Altarbilder der Seitenaltäre stammen von den Barockmalern I.
F. Gladiæ und V. Metzinger, während das Altarbild des
Hauptaltars von I. Simonetti gemalt wurde. Die Stukkaturen der
Apsis aus der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts werden
Giulijo Quadri zugeschrieben. Das Innere der Kirche wurde 1932
von dem Dekorationsmaler A. Pagliarini ausgemalt. Diese
Kirche, Vela crikva, war über Jahrhunderte der zentrale
Sakralbau der Stadt, und stilistisch ist sie eine Mischung (im
Unterschied zur Kirche Sv. Vid), die charakteristisch für die
Bautradition dieses Gebietes ist.
Setzen wir unseren Weg bis zum Ende der Užarska Straße gegen
Osten fort, verlassen wir die Altstadt. Wir gehen am Jelaèiæ
Platz vorbei, überqueren die Straße und machen in der Allee am
Ufer des Toten Kanals (Mrtvi kanal), des alten Flussbetts der
Rijeèina, Halt. Wenn wir zurückschauen erblicken wir die
Fassaden der klassizistischen Paläste in der Straße Fiumara.
Darunter sticht mit seinen eleganten Proportionen und
Dekorationen das Haus des Simeon Adamiæ hervor. Neben dem
Palast, der Ende des XVIII, Jahrhunderts erbaut wurde, waren
früher steinerne Figuren, die sogenannten Zeugen Adamiæs
aufgestellt, die jetzt im Park vor dem Lapidarium des
Seefahrts- und Historischen Museums ihren Platz gefunden
haben. Adamiæ hatte nämlich einen
Adamiæ hatte nämlich einen „Schatz“ gefunden, bzw. einen
archäologischen Fund, auf den er zufällig gestoßen war, als er
den Fußboden der Kapelle Sv. Martin auf seinem Gut in
Martinšæica, der Bucht östlich von Rijeka, verbessert hatte.
Neidische Leute beschuldigten Simeon der Verheimlichung des
gefundenen Schatzes, doch sein geschickter Sohn Andrea
Ljudevit hat ihn geschickt verteidigt indem er bis zum Kaiser
Josef II. vordrang und ihm erklärte, dass es sich „nur“ um
einen archäologischen Fund gehandelt hätte. Simeon hat die
Verleumder dem Spott ausgesetzt, indem er deren groteske
Portraits auf dem Fußweg vor seinem Palast aufstellen ließ.
Der Architekt G. Chieregi fertigte Ende des XIX. Jahrhunderts
den Entwurf für die Erweiterung des Hauses um ein Stockwerk,
als dies für die Unterbringung des Koratischen Gymnasiums in
diesem ehemlaigen Palast notwendig wurde.
Das Zentrum Sušaks
Sollten wir uns für einen Spaziergang nach Trsat entscheiden,
setzen wir unseren Weg über die Brücke fort. Bevor wir nach
Trsat hinaufgehen, werfen wir einen Blick auf das Zentrum
Sušaks am linken Ufer der Rijeèina. Auf dem sogenannten Delta,
dem Raum zwischen dem alten und neuen Bett des Flusses
Rijeèina, ragt das Befreiungsdenkmal (Spomenik osoboðenju) von
Matkoviæ hervor, das nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet
wurde. Hier verlief zwischen den beiden Weltkriegen die Grenze
zwischen dem Königreich Italien und dem Königreich Jugoslawien
(zudem damals auch Kroatien gehörte). Am neuen Flussbett der
Rijeèina, das in der Hälfte des XIX, Jahrhunderts begradigt
wurde, erstreckt sich das Zentrum Sušaks mit beachtenswerten
Palästen wie die Stadtsparkasse (Gradska štedionica – F.
Matijasiæ), der Ersten kroatischen Sparkasse (Prva hrvatska
štedionica – A. Freudenreich) und dem Hotel Kontinental (M.
Glavan). Der Tito Platz ( Titov trg) vor dem Hotel überbrückt
mit seiner ganzen Breite die Rijeèina und symbolisiert die
Vereinigung der Städte Sušak und Rijeka nach dem Zweiten
Weltkrieg. Auf dem Platz, durch dessen Mitte die Staatsgrenze
verlief, befindet sich die moderne Reminiszenz an die
ehemalige Barockkapelle des Heiligen Nepomuk, des
Schutzheiligen der Brücken. An das Geländer oberhalb des
Flusses gelehnt, betrachtet die Skulptur Janko Poliæ Kamovas,
des kroatischen Avangarde Literaten vom Anfang des XX,
Jahrhunderts, die von Zvonimir Kamenar geschaffen wurde, die
Vorbeigehenden. Hinter der Häuserreihe an der Uferstraße Kaèiæ
setzt sich die nicht weniger wichtige Architektur des
Historizismus im Zentrum Sušaks fort, dessen Namen Brajdica an
die Weinberge der Franziskaner, die sich bis Ende des XIX.
Jahrhunderts bis hierher erstreckten, erinnert.
Trsat
In der Nordwestecke des Tito Platzes (neben der ehemaligen
Ersten kroatischen Sparkasse) steht eine Barockkapelle, an
deren Fassade ein Relief der Muttergottes mit Kind zu sehen
ist. Dieser Kapellendurchgang kennzeichnet wie ein
Triumphbogen den Anfang der Treppen von Trsat (Trsatske
stube), die zum berühmten Wallfahrtsort, dem Franziskaner
Kloster auf Trsat führen. Diese Treppen ließ der kroatische
Heerführer Petar Kružiæ 1531 erbauen, und über die
Jahrhunderte hinweg wurden sie ständig erweitert (heute gibt
es mehr als 500 Stufen) und durch Stifterkapellen ergänzt. Wer
nicht zu Fuß nach Trsat, dem reizvollsten Punkt für Touristen,
gehen kann, dem steht der Stadtbus Linie 1 zur Verfügung, aber
so oder so braucht man für diesen Besuch einige Stunden Zeit.
Das Entstehen des Franziskanerklosters (Franjevaèki samostan)
steht im Zusammenhang mit der Überführung des legendären
Schreins der Heiligen Familie aus dem Heiligen Land nach
Europa. Trsat diente somit als Zwischenstation zwischen
Nazareth als Ausgangspunkt und Loretto als Ziel.Der Legende
nach, die einen festen Platz in der Transitrolle dieser
Gebiete zur Zeit der Kreuzzüge einnahm, befand sich der
Schrein von 1291 bis 1294 hier. Die Kirche und das Kloster
bilden ein harmonische Mischung von verschiedenen Bauphasen in
Gotik, Renaissance, Barock und Biedermeier. Außer dem üppigen
und unüblichen Inventar der zweischiffigen Kirche ragen beide
Kreuzgänge durch ihre Schönheit hervor sowie der große
Sommerspeisesaal mit dem großen maniristischen Gemälde von S.
Schön und Werken des Barockmalers C. Tasce. Der Reichtum der
Klosterschatzkammer zeugt von der Beliebtheit des
Wallfahrtorts der heilgen Maria von Trsat, die die Familie
Frankopan und später zahlreiche andere kroatische und Krainer
Herrscherfamilien sowie Mitglieder des Hauses Habsburg reich
beschenkt haben. Alles wird von dem gotischen Polyptychon mit
der zentralen Darstellung der Muttergottes mit Kind in den
Schatten gestellt. Es gibt auch eine Bildergalerie, die durch
neue Schenkungen bereichert wird. In der Kapelle mit den
Weihgeschenken sticht unter den vielen vokstümlichen
Darstellungen der Wunder der Muttergottes von Trsat besonders
die gotische Skulptur der Muttergottes von Slunj hervor. Dem
Kloster gegenüber befindet sich der Kroatische Lesesaal
(Hrvatska
èitaonica) von Trsat, der Ende des XIX. Jahrhunderts vom
einheimischen Architekten M. Glavan entworfen wurde. Es ist
interessant, dass dieser Treffpunkt von Patrioten als
Aktiengesllschaft konzipiert war. Unseren Spaziergang
fortsetzend, gelangen wir durch das malerische und
volkstümliche Zentrum gegen Westen zur sogenannten Burg von
Trsat, dem ehemaligen Frankopanenkastell. Das mittelalterliche
Kastell wurde wahrscheinlich auf den Ruinen eines römischen
Wachturms und einer spätantiken Schutzburg erbaut. In der
ersten Hälfte des XIX .Jahrhunderts hat der österreichische
Heerführer Graf Laval Nugent, der aus Irland stammte, das
Kastell zu seiner letzten Ruhestätte gewählt und es im Geiste
der Romantik, des Klassizismus und Biedermeiers erneuert. Am
Fuße des Kastells befindet sich die alte, mehrmals umgebaute
Kirche Sv. Juraj, die jahrhundertelang die Pfarrkirche von
Trsat war. Vom Kastell bietet sich der Ausblick auf die
Kvarnerbucht, Teile des Zentrums von Rijeka, den Kalvarienberg
Kozala, die Schlucht der Rijeèina und das Zentrum von Sušak am
Fluss. Bevor wir Trsat verlassen, trinken wir nach dem Brauch
der Einheimischen einen guten Espresso. Für die Bewohner
Rijekas ist Trsat eine Oase, wo alles zu finden ist, was ihre
Stadt im Laufe der Zeit durch die monumentale Architektur des
XIX. und XX. Jahrhunderts verloren hat.
Sušak aus einer anderen Sicht
Falls wir nicht den Weg über die Brücke nach Trsat
eingeschlagen haben, können wir am Toten Kanal entlang bis zum
Kroatischen Volkstheater Ivan von Zajc gehen. Von hier aus
(dem auf der Karte angegebenen Punkt) sind die Konturen von
Sušak zu sehen, bevor man sich gen Westen Rijeka zuwendet.
Sušak ist heute ein Teil der Stadt, war jedoch früher eine
Stadt für sich, die sich im letzten Viertel des XIX.
Jahrhunderts schnell entwickelte. Sein Zentrum befindet sich
auch heute noch am linken Ufer der Rijeèinamündung (s. Zentrum
Sušaks). Im Hintergrund ragt das Hochhaus des Kroatischen
Kulturzentrums (Hrvatski kulturni dom na Sušaku, HKD), ein
gutes Beispiel für die kroatische Schule der modernen
Architektur heraus, das in den Jahren vor dem Zweiten
Weltkrieg gebaut wurde. Dieses repräsentative Gebäude sollte
in den dreißiger Jahren des XX. Jahrhunderts eine wichtige
Rolle im Antagonismus der beiden Städte spielen. Das damals
avangardistische Projekt, welches der tragisch verunglückte
junge Architekt J. Pièmann entworfen hatte, wurde von A.
Albini bearbeitet. Das Hochhaus befindet sich an der
Strossmayer Straße, einer der wichtigsten Verkehrsadern
Sušaks. Die imposantesten Häuser in dieser Straße ließ der
Industrielle Ðuro Ružiæ, Vater des modernen Sušak im Übergang
vom XIX. ins XX. Jahrhundert erbauen. Die Straße wird von der
Pyramide abgeschlossen, die ein Denkmal für zwei Straßen ist:
für die Karolina, die der österreichische Kaiser Karl VI. in
der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts erbauen ließ, und
für die Doroteja, eine Abzweigung, die in der ersten Hälfte
des XIX. Jahrhunderts die Stadt mit dem neu erbauten Lazarett
in der Bucht Martinšæica verband. Zur Pyramide gelangt man
über die Brücke und den Tito Platz auf der Strossmayer Straße.
Der kurvenreiche Boulevard, der sich nach Trsat hinaufwindet,
beginnt am Hochhaus von Sušak und ist eine andere wichtige
Straße dieses Stadtteils Unweit steht als dominierendes
Gebäude das Große Gymnasium, Ende des XIX. Jahrhunderts erbaut
und von den spezialisierten deutschen Architekten Ludwig und
Hülssner entworfen. Das kroatische Gymnasium, das am Ende der
österrichisch-ungarischen Herrschaft von Rijeka in das
nahegelegene Sušak verlegt wurde, symbolisierte den Widerstand
gegen die Ungarisierung und Italisierung des damaligen
autonomen kroatischen Schulwesens. Unterhalb des Gymnasiums
wurde in den zwanziger Jahren des XX. Jahrhunderts das Rathaus
von Sušak (Gradska vijeènica – J. Denzler), heute Sitz des
Rektorats der Universität Rijeka, erbaut. Im Panorama ist das
unlängst im Jugendstil restaurierte Gebäude des Forstamtes
(Šumarija), von den ungarischen Architekten L.
Lechner-Kismarti und G. Fabian entworfen, besonders prägnant.
Der ehemalige Aussichtspunkt der Wasserversorgung von Sušak
(Vidikovac), vor dem Ersten Weltkrieg gebaut, ist leider
verdeckt. Möchte man von hier aus die Aussicht genießen,
braucht man viel Zeit und Kraft. An der bereits erwähnten
Pyramide am Ende der Strossmayerstraße beginnend, erstreckt
sich das vornehme Stadtviertel Peæine entlang des Meeres. Eine ausgesprochen angenehme
Ferienstimmung wurde durch einen klug erdachten urbanistischen
Plan vom Ende des XIX. und Anfang des XX. Jahrhunderts
erreicht. Villen, ehemalige Pensionen und Strandhotels über
dem felsigen Ufer, das stellenweise von Stränden unterbrochen
wird, sind von schönen Park- und Gartenanlagen umgeben. Vom
Meer aus ist dieser Stadtteil am besten zu sehen. In dem
kleinen Park am Ende von Peèine und der Stadt Rijeka steht
eine Laterne der Freundschaft, ein Geschenk der Stadt Kawasaki
an die Bürger Rijekas.

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