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Stadtturm
Die Straße überquerend befinden wir uns auf dem Korso, in der
bekannten Fußgängerzone. Trotz der Silhouette zahlreicher
noch größerer Gebäude ist der Stadtturm oberhalb des
Eingangs in die Altstadt vom Meere aus, noch immer der
markanteste. An seiner Fassade sind mehrere Barockphasen zu
erkennen, die eine reiche Architekturplastik des Portals,
das steinere kaiserliche Wappen und das Relief der
österreichischen Kaiser Leopold und Karl VI. spiegeln. Seit
dem XVII.
Jahrhundert befindet sich an dem Turm, der Ende
des XIX. Jahrhunderts mehrmals umgestaltet wurde, die
Stadtuhr. Unter der Uhr befindet sich als Hochrelief
gearbeitet das Stadtwappen mit zwei Adlern, deren Köpfe –
heraldisch unüblich – in die gleiche Richtung schauen. Die
Adler halten eine Urne in ihren Krallen, aus der ein
unerschöpflicher Wasserstrahl fließt, der das
unerschüttertliche Vertrauen der Stadt in den
österreichischen Kaiser symbolisieren sollte. Im
Turmdurchgang kann man Erinnerungsschriften lesen, und
vielleicht noch Zeichen von mittelalterlichen Bauphasen
erkennen. Der Turm wird von frühklassizistischen Palästen
flankiert, deren Bau Ende des XVIII Jahrhunderts begann, als
die Stadtmauern eingerissen worden sind mit deren Material
man den mittelalterlichen Fortifikationsgraben zugeschüttet
hat.
Der Korso, der das Gesicht der Stadt bestimmt, wurde im XIX
und Anfang des XX. Jahrhunderts gestaltet. In der Südreihe
der Häuser ragt das ehemalige Hotel Royal (heute das
Warenhaus „Karolina Rijeèka“) hervor, dessen
Fassadenbereiche mit verschiedenen Blumenornamenten
geschmückt sind, und dessen Erdgeschoss sowie das Mezzanin
eine offene Eisenkonstruktion mit großen Glasflächen, die
für die Zeit charakteristisch waren, aufweisen. Im Anschluss
an das Warenhaus „Ri“ gen Westen ziert eine Reihe von
Jugendstilhäusern die Straße; unter ihnen erscheint das
gelbe Haus von Milcenich-Cerniak, das der Architekt
E. Ambrossini entworfen hat, besonders malerisch.
Am Nordrand steht der Palast des Kroatischen Lesesaals
(Hrvatska
èitaonica), der noch heute teilweise in derselben
Funktion von der Stadtbücherei benutzt wird. In den
wichtigen Konflikten der politischen Vergangenheit der
italienischen und kroatischen nationalen Erneuerungsbewegung
wechselten mehrfach seine Benutzer und damit auch die
politische Zugehörigkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde
hier die Redaktion “Radio-Rijeka” untergebracht. Im
Erdgeschoss des Ostflügels befindet sich der Kleine Salon
(Mali salon), der ständige Ausstellungsraum des Museums
für moderne und zeitgenössische Künste. Der Palast wurde im
klassizistischen Geiste Mitte des XIX. Jahrhunderts von A.
Deseppi gestaltet. Unter der schattigen Altane führt ein
Durchgang zur damaligen Stadtverwaltung in der Altstadt und
verbindet sie so mit dem Korso.
Unweit vom Platz der Republik sticht am Korso die
historizistische Fassade des Gebäudes Filodrammatica hervor,
eines Palastes, den Ende des XIX. Jahrhunderts der aus
Triest stammende und in Rijeka sesshaft gewordene Architekt
G. Zammattio entworfen hat. Die üppig geschmückte Fassade
stellt die Skulpturen, Stukkaturen und Gemälde des
Konzertsaales im ersten Stock in Schatten. Im Ergeschosss
befindet sich heute das Stadtcaffee.
Der Korso endet am Jadranski trg, an dem drei Gebäude
wichtig sind. Der historizistische Palast Jadran des in
Rijeka sesshaft gewordenen Architekten F. Matijasiæ war seit
seiner Errichtung am Ende des XIX. Jahrhunderts Sitz von
Schiffahrtsgesellschaften. Die nüchterne Fassade des
Hochhauses von Rijeka (Rijeèki neboder), das zu seiner
Bauzeit in den dreißiger und vierziger Jahren des XX.
Jahrhunderts von den Bewohnern Rijekas spöttisch Kommode
genannt wurde, entwarf U. Nordio, einer der bekannten
Architekten aus Triest. An der Nordseite des Platzes steht
das Verwaltungsgebäude der Bank von Rijeka (Rijeèka banka)
von dem bekannten Vertreter der kroatischen Moderne K.
Ostrogoviæ.
Wenn wir weiter zum Busbahnhof am Platz Žabica gehen, fällt
durch seine Silouette und die geschmückten Fassaden der
Palast Ploech, der 1880 von G. Zammattio entworfen wurde,
auf Sein Besitzer, ein Feinmechaniker, wirkte an der
Ausführung des erfundenen Torpedos mit.
Ein beliebtes Motiv auf den Ansichtskarten von Rijeka sind
die malerischen neogotischen Fassaden der zweistöckigen
Kapuzinerkirche der Jungfrau von Lourdes. Der Vorsteher des
Kapuzinerklosters O. Bernardin
Škrivaniæ entschloss sich, nachdem er eine Wallfahrt nach
Lourdes unternommen hatte, in Rijeka eine beachtenswerte
Kirche zu errichten, die zum neuen Wallfahrtsort werden
sollte. Anfang des XX. Jahrhunderts hat C. Budinich, der
übrigens auf Grund seiner
theoretischen Untersuchungen zur Gotik bekannt war, zum
größten Teil die Baupläne erdacht. So hat er den Entwurf im
Geiste der venezianischen Gotik gemacht, die der Tradition
Rijekas, das vor allem unter dem Einfluss nordischer Gotik
stand, völlig fremd war. Der Bau, der offensichtlich die
finanziellen Möglichkeiten der Kapuzinergemeinschaft
überstieg, zog sich über mehrere Jahrzehnte hin. Schließlich
blieb die Kirche unvollendet, denn dem Entwurf nach sollte
die Fassade von der Vertikale eines Glockenturms gekrönt
werden.
Der neue Kult konnte sich nicht im geringsten mit der
jahrhundertelangen Tradition der Mutter Gottes von Trsat
messen.
Die Anlage, die von den Einheimischen umgangsprachlich nach
der Fabrik, die zuletzt hier untergebracht war, “Benèiæ
“genannt wird, zeugt von einer 250jährigen ununterbrochenen
Industrie- und Manufakturproduktion von einer
Zuckerraffinerie über Tabakindustrie und Metallurgie. Ihr
wertvollster Teil ist der barocke Verwaltungspalast der
ehemaligen Zuckerraffinerie, dessen Inneres prachtvolle
Wandgemälde und Stuckdekorationen verbirgt. Die ehemaligen
Portale am Meer sind mit Köpfen, deren Haar mit Würfelzucker
gescmückt sind, verziert. Vom ehemaligen Verwaltungspalast
der Zuckerraffinerie aus gelangt man auf der Hauptstraße
nach Westen gehen zur Fassade des alten Lazaretts von Rijeka
mit einem reich verzierten Barockportal. Auf dem Portal ist
eine Inschrift, die den Anfang des Baues im Jahre 1722
erwähnend, seinen Geldgeber den österreichen Kaiser Karl VI
nennt. Den Bahnhof (željeznièki kolodvor), ehemals Ankunfts-
und Abreisepunkt der Besucher von Rijeka, hat der Budapester
Architekt F. Pfaff in neoklassizistischem Geist entworfen.
Die Anlage war als eine Reihe von Pavillons gedacht, die
durch niedrige Flügel miteinander verbunden waren. Ende 1890
wurde das Gebäude eröffnet. Der Bahnhofsvorplatz erweckt den
Eindruck von Monumentalität, obwohl alle umliegenden Gebäude
den Bahnhof bedeutend überragen. Noch immer schmückt heute
eine Platanenallee von großem ästhetischen und praktischen
Wert den Bahnhofsvorplatz. Auch heute noch ist der Bahnhof
gut zu Fuß zu erreichen, und deshalb könnte auch unser
Stadtrundgang durch Rijeka hier enden.

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